„Du bisch Chindergärtneri!? Jö, da isch sicher mega härzig!
Rüebli schelä und chli spiele mit de Chind… „ Jaja, chli spiele und alles ist
härzig klein und jööö, denke ich mir und bin mich ja gewöhnt, dass das die
Antwort meines Gegenübers ist. Geht doch allen gleich, mit den Klischees:
Zahnarzt – chli is Muul ieluege und en huere Zapfe abkassiere
Coiffeuse – chli Hoor schniide und guet usgseh
Sportlehrer – chli Brennball spiele mit de Kids
Arztgehilfin – chli fründlich lächle und s‘Telefon abneh!
(selber so erlebt)
Hausfrau – de ganz Tag ofem Sofa hocke und Klatschheftli
läse! (sowieso selber so erlebt)
Psychologe – ide Praxis hocke und chi zuelösle
Richter – sich de ganz Tag mit Striitgüggel omeschloh… aso
fascht wie Huusfraue, äfach ohni Klatschheftli?
Lokführer – de ganz Tag dör d Schwiz fahre und d Landschaft
gnüsse
Krankenschwester – entweder gsehsch sexy us oder bisch echli
en Drache
Journalist – chli Prichtli schribe und fotografiere
Kaufmännischer Angestellter – chli kopiere und Kafi useloh
Skilehrer – chli schöne Russine lerne Skifahre und de Rescht
vode Zyt chli Jagertee gödlä
So ist es doch. Nicht? Aber wir Kindergärtnerinnen haben ganz
klar das schönste Jöbli der Welt: Chli
spiele, chli singe und dazwischen mal aus einem Öpfeli ein Chäferli schnitzen.
Was will man mehr!? Es läuft alles von allein, niemand hat Heimweh, alle wissen
wann der Bisi kommt und niemand sucht seine Mütze oder sein Täschchen. Eine
Freude und Harmonie, keinen Streit, keine Ginggs und schon gar kein „denn bisch
halt nüme mini Fründin!“ Denkt ihr? Denken alle…
Da kommen über zwanzig kleine Menschlein zu uns, die
eigentlich Mama und Papa als die allerliebsten Menschen überhaupt haben. Danach
Oma und Opa – oder auch Oma und Opa davor. Egal. Sie wollen manchmal keine neue
„Tanten“. Schon gar keine, die ihnen sagen, wie sie sich benehmen sollen. Und
sie wollen auch kein Kind sein in einer Gruppe mit über zwanzig andern Kindern
- manchmal. Manche finden es von Anfang
an super, andere nach einem halben Jahr noch nicht so richtig. Und so
überzeugen wir kleine Menschleins, die weinen und nichts lieber als Mama haben
wollen davon, dass sie halt hier sein müssen. Mit uns. Und so ist es manchmal
ganz schön tricky für uns „Tanten“. Und gar nicht so „jöö!“
Und dann sitzen wir auf den Stüehli und alle sitzen still! Am
Schluss vom Schuljahr. Manchmal. Und irgendwann essen wir unsern Znüni.
„Sodeli, etz ässed mer Znüni. Fritz und Fränzi, holed ehr bitte gad de
Täschlichorb. So rennen Fritz und Fränzi los, halb verhungert und ignorieren
das „wiär löifa im Chindärgartu“ und verteilen danach die Einhorn- und
Feuerwehrtäschchen und wissen genau, wem welches gehört! Nach einem gemeinsamen
Lied beginnen die Kinder, ihre Köstlichkeiten auszupacken. Zu schade, dass
Tante Yvette und Tante Fabienne gesagt haben, man dürfe nix Süsses bringen!
Hätte einem doch so eine feine Extraportion Milch mehr gezogen, als das Rüebli
oder die Apfelschnitze. Dann und wann bringt der Nachbar links „Petit
beurre-Biscuits“ mit. Niammi! Und Tante Yvette und Tante Fabienne sagen: „Das
ist eine Süssigkeit!“ Warum die trocknen „Petit beurre“ unter Süssigkeiten
gehen, verstehen Fritz und Fränzi nicht – die sind auf der
Süssigkeiten-Weltrangliste nämlich weit hinter Platz 50! Also schon fast bei
Frucht und Gemüse! Und der Nachbar zur Rechten bringt manchmal so feine
Joghurtdrinks mit! Süss hin oder her – die sind megafein, findet Fränzi! Nur zu
schade, stolpert Fritz beim Gang zum Abfalleimer über das Getränkli und die
ganze Milch verteilt sich auf dem Kindergartenboden. Die Tanten kriechen nun
auf ihren Knien durch den Kindergarten und putzen das Gschmier auf. Schade um
das feine Säftli! Und da ruft auch schon jemand aus der Runde: „Au nei! I mim
Täschji hät miär miini Mama eswas grüsigs drigita!“ Tante Fabienne schaut nach.
Fein! Ein 1000-Vitaminli-Squees-Getränkli hat sich verselbständigt und ist
rausgekommen aus der Verpackung und macht sich nun im schönen Bob-de-Baumaa-Täschli
breit. „Wä, das gseht apa grüsig üs!“ So vergeht die Znünizeit im Nu und Tante
Yvette und Tante Fabienne wundern sich, wieso die Pause nicht mehr bezahlt wird
vom Staat Wallis! Weil von Pause kann hier keine Rede sein – zumindest für die
Tanten…
Bald ist es dann Zeit um Tschüss zu sagen, wir suchen
Täschli, binden Schuhe, schliessen Reissverschlüsse, rennen Kindern mit Finken
nach, damit diese im Kindergarten bleiben. Die Kinder laufen heim und wenn Mama
fragt: „Wa hend ehr hüt gmacht im Chindergarte?“ Dann meint das Kind mit „Nix!“
soviel wie wenn die Hausfrau daheim auf dem Sofa hockt und Heftli liest oder
die Arztgehilfin „chli fründlich lächlet“. Aber wir Tanten finden „Nix!“
beinhaltet Spielen, streiten, malen, singen, tanzen, turnen, essen, Konflikte
lösen, selber aufs WC gehen, selber anziehen und auch mal das Täschli suchen. Nix
heisst vielleicht auch: „Es war soo viel, ich mag gar nicht alles erzählen,
Mama. Frag mal Yvette und Fabienne, die fanden es heute echt intensiv mit uns!“
Und so finden wir, unser Job ist zwar nicht immer „jööö“,
aber doch der schönste der Welt.