Samstag, 15. Februar 2014

Scheissgeschichte

Erzählt mir doch meine Kollegin, dass meine Tochter, bei ihr zu Besuch, kurzerhand zusammen mit ihrem Buben ins WC reingekommen sei, als sie in Ruhe auf dem Thron sass! Wie bitte? Geht ja gar nicht! Meine Tochter! Ohne Scham! Dafür ich beim Zuhören MIT Scham für meine Tochter!

Ich hab mich ja, sie wahrscheinlich bei den eigenen Kindern auch, daran gewöhnt, dass meine Kinder mir auf dem stillen Örtchen ständig Gesellschaft leisten, wobei stilles Örtchen dann alles andere als still ist! Der Erfinder des Ausdrucks "Stilles Örtchen" war wahrscheinlich ein altlediger Junggeselle, keine Frau mit Kindern hätte dem so gesagt. Wohl eher Begegnungszone, Fudiputztreffpunkt oder Beschäftigungstherapieraum mit WC-Rolle und -bäseli. Ich sitze also auf dem Klo, alle drei Kinder stehen neben mir und schauen mir zu, wie ich - ihr wisst schon was! Ganz gäbig! Und erstaunlicherweise gewöhnt man sich auch an das - ist wahrscheinlich ein Mutterinstinkt - das Verlieren jeglichen Schamgefühls - beginnt übrigens mit der Geburt...

Sapperlott, kann man denn nicht für zwei kleine kurze Scheissminuten alleine sein? Müssen echt alle dabei sein und noch Fragen stellen, Kommentare abgeben oder einfach streiten? Unterdessen saugt Prinzessin die Zahnpastatube aus - wenigstens ein Kind, dass sich diskret weggedreht hat... Kleinstweibchen übernimmt mit Wonne das WC-Papier-Abrollen und der wissensdurstige Kindergärtler möchte am liebsten jedes anatomische Detail wissen, wie ein Besuch auf dem Abort so vor sich geht im Körper. Dabei wollte ich doch einfach in aller Ruhe an die gegenüberliegende Wand starren und nichts denken und schon gar nicht jemanden erziehen oder belehren...

Aber - langsamlangsam gewöhn ich mich daran. Meine persönliche Intimsphäre hat sich um drei Körperchen erweitert - quasi. Wir sind ja ein Fleisch und Blut. Und bis ich mich vollständig daran gewöhnt hab, sind meine Kinder wahrscheinlich in der Pubertät und finden dann "wäh Mami, gang use - i bruch kä Zueschauer!" Ich eigentlich jetzt schon nicht, aber das wird vollumfänglich ignoriert...

Montag, 10. Februar 2014

Einkaufen zum Zweiten

Ok, Wundereier sind bezahlt und natürlich schon verspiesen, Taschen sind gefüllt, clever die Tomaten und Eier zuoberst, feinsäuberlich alles einsortiert und stabil verpackt. Nun heisst es, die Kinder in der ganzen Migros zusammen trommeln und ab ins Auto zu verladen. Im Parkhaus nehm ich also die Fünfzgerli und Zwänzgerli hervor und bezahl das Ticket - wobei ich mich immer frage, wieso ich noch einen Stutz fünfzig liegen lassen muss, wenn ich doch hier eingekauft hab für über hundert Hämmer!? Jä nu! Alles wird ins Auto gepackt, wiederum feinsäuberlich. Hat man einen Einkauf, der nicht von zwei Taschen über einen Megatönderpack WC-Papier, Katzensand nichtklumpend und sechs Tetrapacks Orangensaft geht, steht mindestens eine Tasche mit einer Seite lose im Kofferraum. Ich lege sie etwas schief an die andere ran, so, dass sie auch bei einer Kurve - frauenvorsichtig gefahren - nicht umkippt.
Abfahren, raus aus dem Parkhaus, um die erste Kurve - die Taschen halten! Jep! Fussgänger sehe ich von weitem, also bremse ich süüferli ab - Taschen halten! Kuul! Erster Kreisel, ich fahr frauenvorsichtig rein, drehe sanft am Steuerrad, reduziere das Tempo auf Simona-Schritttempo - die Taschen halten! Super! Und dann kommt da ein Fussgänger, um die 80 Jahre und spaziert fröhlich auf die Strasse - ich bremse ab und höre, wie die Taschen verschieben - shit! Aber sie stehen noch! Herr Huber - mir ist schleierhaft, wie er so schnell von der Migros bis zum Fussgängerstreifen gekommen ist - winkt mir freundlich zu und geht heim, seinen Broccoli kochen. Oh mann, zum Glück sind meine Taschen noch heil.
Und beim nächsten Kreisel passiert dann die Misere endgültig - die Taschen kippen, die Joghurte purzeln vornüber, die Tomaten stehen Kopf und der schwere Inhalt vom untern Teil der Tasche zermalmt alles.
Manchmal frage ich mich, wieso ich es nicht längst besser weiss und finde keine Antwort. Und dann frage ich mich, ob ich die Tomaten und Joghurts doch besser zuunterst in die Tasche legen würde, damit sie im totsicheren Fall der Tasche wenigstens zuoberst liegen täten...

Sonntag, 2. Februar 2014

Ich bin ein Grüezi...

Da waren wir nun also. Wir zwei Grüezini an der Ü30-Party vom Radio Rottu. Zu Grüezideutsch heisst Rottu "Rhone" und die fliesst hier z Tal embri und "Grüezini" sind Menschen, die nicht im Wallis geboren sind und drum meistens hinter (oder vor?) den Bergen wohnen und "grüezi" sagen - das ist nicht grad ein schmeichelhafter Ausdruck für Unsereins. Tickets haben wir gewonnen und so begaben wir Gwundernasen uns an genanntes Fest. Parkplätze hatte es noch genug, am Eingang war kein Gedränge und so waren wir gespannt, was uns da erwartet. Drinnen standen einige Leute herum, die meisten älter als wir. Wow, das ist mir nun doch schon länger nicht mehr passiert, dass ich eine der Jüngsten an einem Fest war! Gutes Gefühl! Nur schon deswegen hat sich die Party gelohnt!
Wir holten uns also ein Getränk an der Theke und setzten uns auf fast leere Sofas. Die Tanzfläche - das kennen wir vom Grüeziland auch, waren wir uns einig - war um diese Zeit noch leer, weil die Köpfe auch noch leer waren. Es gab sich also niemand die Blösse. Wir wechselten zwei drei Worte und dann kamen die Divas des Abends und verscheuchten uns vom Sofa! Hä? Wie bitte? Was? VIP? Wir? Nein, wieso? Wie zwei begossene Pudel standen wir auf, verjagt von den Ladies, die da "Platz brauchten", obwohl wir zwei Grüezini noch locker hätten da sitzen können. Schnell kam der Gedanke auf, ob wir nun wegen unserer Herkunft verscheucht wurden oder weil wir "zu jung" sind? Oder fühlte sich da jemand bedroht von zwei Unbekannten? Eigentlich hätten wir unsere IDs hervorkramen und ihnen schwarz auf weiss unsere waschechten Walliser Nachnamen präsentieren sollen - natürlich keinen Ton sagend, sonst hätten wir uns ja verraten!
Die Sache ist, liebe VIPs, wir zwei Grüezini kennen das doch, da habt ihr uns überhaupt nicht eingeschüchtert - oder glaubt ihr, wir würden euch auf unserem VIP-Sofa sitzen lassen an unserer Hunzverlochete? Nö, auch nicht mit Walliser Sprachbonus! Wir haben auch unsere Dorfkönige und Platzhirsche, die ihr Revier verteidigen! Und auch im Kaufleuten in Zürich hätte ich keinen Platz auf dem VIP-Sofa ohne Designerjeans und Edelhandtasche und das trotz einer Toleranz, für welche sie sich uns Landeiern doch immerüberlegen fühlen! Wir waren uns also einig "es isch doch öberall sglich - chasch goh wod wötsch i üsem Land".
Das Gute vom Verscheucht werden war aber, dass wir uns halt auf die Tanzfläche gestürzt haben und dort biz blöd getan haben - es kannte uns ja niemand und als Grüezi ist man manchmal eh ein bisschen daneben. Und so wurde die Party echt der Börner!
...so gehts mir - in meinem eigenen Land. Ich möchte nicht wissen, wie sich Leute ohne Schweizer Pass hier manchmal fühlen. Und mal im ernst - muss ich eigentlich irgendwann Angst haben, dass ich plötzlich heim geschickt werde in meinen Kanton, nur weil ich auf der Bühne bisschen den Aff gemacht hab? Mich nimmts Wunder, wann jemand auf die Idee kommt, eine solche Initiative zu starten...

Samstag, 1. Februar 2014

Die verflixten Wundereier an der Kasse

Endlich hab ich den gesamten Einkauf erledigt, bin bei allen Schleichtieren, Legofigürchen und Playmobilsäckchen hart geblieben und nun muss ich noch den nervenaufreibendsten Moment über mich ergehen lassen - die Kasse. Ich lade husch alles aufs Band, grosses und schweres zuerst, Joghurt, Tomaten und Bananen am Schluss - man will ja zu Hause auch noch was brauchen können von all dem Zeugs. Herr Huber, an die 80 Jahre auf dem Buckel, zwei Personen vor mir, vergass den Broccoli zu wiegen, so, dass Frau Sutter von der Kasse mit dem Broccoli losrennen muss, das Versäumte nachzuholen. Wir warten, ich lass mir Murphys Gesetz einmal mehr durch den Kopf gehen (man ist immer an der langsamsten Schlange an der Kasse) und schaue den anderen von anderen Kassen zu, wie sie die Ware aufs Band legen, bezahlen, einladen und weg sind. Nur ich und Herr Huber und Frau Müller direkt vor mir, wir warten und warten bis Frau Sutter wieder daher rennt und ich frag mich, wieviele Male sie sich das am Tag antun muss, weils zum "guten Kundenservice" zählt - die Arme! Meine Kinder - natürlich mit von der Partie, schauen sich ebenfalls um, lassen sich aber nicht Murphys Gesetz durch den Kopf gehen, sondern sind fasziniert vom Angebot auf Kniehöhe - Kinderschokolade, TicTac, Brügeli, Kaugummi und Maoams (neumödige Sugus, quasi). Solange Frau Sutter noch mit dem Broccoli herum rennt, können sie sich noch zurück halten und mein Satz "nor luege, gell", zeigt noch Wirkung.
Dann kommt also Frau Müller dran. Sie hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel und einige Münzen im Portemonnaie, die sie unbedingt loshaben will. Sie kommt tagtäglich zu Fuss in die Migros und braucht die Füfzgerli und Zehnerli darum nicht für die Tiefgarage. Und sie braucht dafür ihre Zeit, bis sie die neun Franken fünfunsiebzig aus der Geldtasche gefischt hat. Und meine Kinder freuts und ich werde kribbelig. "Tues wieder ane!" kommt eine Hundertstelsekunde zu spät aus meinem Mund, geschweige denn, mag ich noch um das Migroswägeli herum ohne mir den Hüftknochen blau zu schlagen und schon ist das verd... Wunderei offen! Na bravo! Guet gmacht, Kinder! Natürlich geben sie sich nicht mit einem Ei zufrieden, es will ja jedes Kind "öppis zum spiele, e Öberraschig und chli Schoggi!"
Wieso kann man nicht Shampoo oder Regeneriersalz, Tampons oder Abfallsäcke an der Kasse aufbeigen? Gemahlene Haselnüsse, Tomatenpüree oder Safran? Haarspängeli oder Wattestäbchen? Es gibt so viele Produkte, die mir jedes Mal erst an der Kasse wieder in den Sinn kommen und die mir vorher durch die Latte gingen! Ich hätte keinen Stress mit meinen Kindern und könnte erst noch die ständig vergessen gehendenen Artikel noch in aller Ruhe in mein Wägelchen legen, während Frau Sutter mit Herrn Hubers Broccoli herum rennt und Frau Müller ihre Rappen zählt.