Mittwoch, 30. März 2016

Landei and the City oder Landei in the City

 
Lange dachte ich, ja, ich wohne zwar auf dem Land, aber ein Landei bin ich deswegen noch lange nicht! Ich getrau micht in Städte, bin weltoffen und Leute mit verrissenen Jeans und Dreadlocks machen mir keine Angst. Dachte ich lange! Landeier - nö, das sind andere...
So stieg ich heute in Zürich aus dem Zug, zusammen mit meiner vierjährigen Tochter um ihre grössere Schwester von den Ferien abzuholen. Durchmesserlinie! Das hat mir mein Papi erklärt, da kann man nun also im Sackbahnhof gerade aus weiterfahren. Macht Sinn! Natürlich nicht im Sack, den man sieht, das ist alles unterirdisch und erinnert einen ein bisschen an U-Bahnen, London, Wien oder US-Fernsehserien. Wir stiegen also aus, voll bewusst, dass wir also in der Durchmesserlinie gelandet sind und nahmen die Rolltreppe um ans Tageslicht zu gelangen. Aber hoppla! Da kam ja dann nochmals eine Etage, Shopville schoss mir durch den Kopf, aber die Shops sind irgendwie auf die Schnelle nicht in Sicht. Ich fühlte mich ein bisschen wie in einem Bahnhof, in dem ich noch nie vorher war und so standen wir zwei da und schauten links und rechts, fast wie am Fussgängerstreifen und Leute eilten an uns vorbei, fast wie Autos. Hä, dachte ich, müssen wir nun rechts oder links, Sihlquai oder wasweissich oder doch Gleis 5 oder 6? Und wo bitte ist der Treffpunkt, der beim Niki de Saint-Phalle-Engel, für alle, die weltoffen sind und was von Kunst verstehen, der mir vertraute weisch, der in der grossen Halle? Nur, wo um himmels-richtungs-willen ist diese Halle, wenn man unten steht und nichts sieht? Schnell machten wir uns auf die Socken, es sollte ja nicht so aussehen, als wären wir noch nie z Züri gsi! Schliesslich und endlich hat man dort Fussballmatchs besucht, glädälät, Konzerte und Ausstellungen angeschaut. So landeiiig ist doch das nun auch wieder nicht! Zuerst liefen wir rechts, dann doch links und dann husch ans Tageslicht. Der Letten! Ha! Ein Anhaltspunkt! Und so fanden wir dann zum Treffpunkt um das heimwehgeplagte Töchterli zu empfangen.
"I mues go bislääää, Mami", kein Problem für mich! Ich kenn mich aus! Runter und ab zum teuren WC, das so clean ist, dass es uns Schweizern warm wird ums Herz. Die Rolltreppe runter, doch hä, wo ist das WC? Das, wo ein Föfzgerli bei weiterm nicht reicht...? Wir laufen links, dann rechts und finden es dann doch. Das Pissoir! Mist! Und wo ist das für die Frauen? Aha! Irgendwie hab ich das alles spiegelverkehrt in Erinnerung - bestimmt neu gemacht wegen der Durchmesserlinie, denke ich, dass ich nicht so als Landei das nie in Zürich ist, dastehe... Als wir fertig sind mit bislä kommt dann tatsächlich eine junge Frau und fragt uns, wo denn das normale WC ist! Juhui! Die denkt bestimmt, so urban wie wir aussehen, sind wir sicher Städter! Nein, Zürcher nicht! Das wollen wir ja gar nicht sein. Aber so ein bisschen hipp wär doch noch kuul! Ich oute mich als Landei und sie scheint erleichtert zu sein, dass noch mehr Banausen unterwegs sind - ich imfall auch!

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