Freitag, 22. November 2013

piippiiiiiiipiiiiiiiiiipppp!

Szenario: wir müssen aus dem Haus - und wer Kinder hat, der weiss, wie lange das dauert. Schon einmal hab ich davon geschrieben, dass solche Peanuts früher, zu kinderlosen Zeiten, überhaupt keine Herausforderung darstellten. Wir zogen uns an, nahmen die Tasche, hängten uns noch eine chice Halskette um, trugen das neuste Parfum auf, nachdem wir natürlich schon mindestens Wimperntusche drauf hatten, fünfmal die Jeans gewechselt hatten (ja, damals passten sie noch - fünf mindestens an der Zahl), öffneten die Türe und schwup waren wir ausser Haus. Rausgepützelt, Ton in Ton, Tasche, Hose, Schuhe, Halstuch. Jep! Und im Winter fand man dazu noch passende Mütze und Handschuhe und natürlich die Amediisli oder Chirlihandschteess - Pulswärmer auf dudendeutsch.

Heutzutage, ich habs schon mal geschrieben, muss man als Mama die Kinder anziehen, eine Mütze suchen, die am Kopf nicht biiissst, am liebsten die rosaroten Schuhe und "nöd di blöde schwarze" und dann gehts los. Nein, ich meine nicht den Ausflug, ich meine die Sucherei! Ich suche und suche und suche im Winterfach des Ikeagestells nach dem zweiten Handschuh von Mittelprinzessin ("nöd die oraasche, i will di pinkige oder kä!"). Einen hab ich schon, aber wo piiiiiipiiiiiiipiiiiiiiiiiiip ist der pipiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiipiiiiiiiiiipiiiiipige andere davon! Ha, gefunden! Yes!! Jetzt anziehen und ein Kind mal nach draussen stellen. Das zweite Kind ist dran: "Die find i doof!" - war ja klar! Von denen, genau wie es Murphys Gesetz beschreibt, von denen man auf einen Handgriff gleich beide gehabt hätte, die, welche zuoberst waren, die will der Bub nicht! "die chani selber nöd guet aleggä!". Ok, dreimal tief Atmen und weitersuchen - Blick auf die Uhr - Shittt! Und die kleinste Minimaus, die mit dem Walliser Dickschädelti will eh keine Handschuhe anziehen, was mir heute echt entgegen kommt! So können wir los. Tasche krallen (Supermom hat logo Windeln schon in jeder ihrer hundert Handtaschen voraus versorgt) raus aus der Türe, abschliessen! Piiiiiiiiiiiiiip, ich habe meine Sachen ja noch gar nicht! Ich meine, es ist piiiiiiiiiiiiiipkalt draussen und ich frier mir die Finger ab ohne Handschuhe, erkälte mich ohne Halstuch und hol mir eine Ottitis media (jeder Mama leider ein Begriff) ohne Kappe - das predige ich den Kindern ja jeden Tag im Winter!

Schnell öffne ich die Haustüre von neuem, öffne mein Fach (Clever mom hat für sich ein Fach alleine) und suuuuuuuche in den hundert Halstüchern, Mützen und Amediisli die zwei gleichen raus. Ja, klar, früher fand ich es echt super, dass ich zehn Paar von denen hatte, auch die Handschuhe in bunt oder schwarz, zudem Halsschleifen aus Seide, Wolle oder Stoff, mit und ohne Silberfäden, ökomässig, totchic oder ultramodern - alles war vorhanden. Nun, es ist sicher bereits zehn Minuten über der im Kopf vereinbarten Abmarschzeit, suche ich noch immer den bequemsten aller Schals und bei den Pulswärmern kann ich da leider nicht mehr auf solche Details achten - da zählt nur noch, von der Sorte, von der ich am schnellsten beide hab, die zieh ich an. Macht das Leben auch einfacher, eine Entscheidung fällt so nämlich weg...

Das ist der Zeitpunkt am Tag, wo ich schon alle Varianten Fluchwörter (hoffentlich) still vor mich hingeflucht hab und mich später total überrascht und unglaublich wundere, von wo her meine Kinder "so wüeschts Züg" haben... "Isch nüme wie früehner - die kenned jo Wörter, do stönd äm d'Hoor z'Berg!", denke ich superselbstreflektiert und sag mir dann: Spiegel sind schon ok, aber nur um darin zu sehen, ober der Schal zur Mütze passt...

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