"Gell, du arbeitest wieder?" Das fragen mich die Leute in letzter Zeit. Vorher fragten sie mich immer: "Was, du arbeitest nix?" Und durch die Blume meinten sie wahrscheinlich: "Hoppla, bist du so unter dem Hammer?" oder auch "oh mein Gott, bist du aber altmodisch, faul und unemanzipiert!". Nun eben die andere, erstgenannte Frage, die mit viiiiiiel mehr Anerkennung gestellt wird. So im Stil von: "Bist du wieder erwacht aus deiner Winterstarre?" - "Oh ja, stell dir vor, nach fünf Jahren des Nichtstun, Fernsehzappens, Fingernägel lackierens, Online-Games spielens, verblöden vor Langeweile, oh ja, nun hab ich endlich wieder was zu tun! Mir war ja soooo langweilig mit meinen drei Kids, die nie ein Puff machen, nie quengeln, geschweige denn streiten, weinen oder Katzenfutter essen! Ach, ich hatte echt nichts zu tun in den Jahren ohne "Arbeit"! Ich meine, was tut so eine Mama den ganzen Tag? Zeitung lesen, Blogs schreiben, whatsapplen, sonst hat man ja nichts zu tun. Das Essen wird geliefert, die Wäsche ist selbstreinigend, die Terrasse begrünt sich von selbst und die Kids, na die, die werden sowieso von alleine gross - da muss man jetzt mal echt nichts dafür tun!"
Leider fehlt mir für diese Antwort meistens der Mut oder auch die Zeit, sie wortgetreu einzustudieren und wiederzugeben, zudem wären die "Gell, du arbeitest wieder"-Frager sicher etwas überfordert damit. Ich meine, sie wollen damit ja nur ihre Anerkennung ausdrücken und damit sicher noch sagen "aha, du bist aber emanzipiert und offen und tüchtig und modisch und überhaupt! Und das noch dazu im konservativen Oberwallis, wo Blaufahrer auf geraden Strecken Kurven fahren, Kruzifixe noch im Schulzimmer bedrohlich ob der Wandtafel baumeln und überhaupt niemand den andern versteht - sprachbedingt, versteht sich!" Oh genau da darf Fabiente wieder arbeiten, als Grüezi unter vielen Kindern und muss dafür nicht mal Wallisertitsch können, weil die Kinder sie doch tatsächlich auch sonst verstehen. Sind die Walliser echt doch offner, als es die Basler immer glauben?
Mir als neutrale Appenzellerin ist das alles egal - Hauptsache ich kann wieder arbeiten - es fägt mir nämlich tatsächlich, obwohl ich auch finde, das Mama sein der schönste Job der Welt ist! Wer bekommt schon sonst mitten in der Nacht Besuch im eigenen Bett, ohne dabei die Türe öffnen zu müssen, geschweige denn den Besuch zu begrüssen? Oder wer sonst wird als beste Köchin angeschaut, wenn sie Päcklipudding kocht? Oder wer schneidet Huschhusch Weihnachtssterne aus dem Papier und die Kinder finden dann, das sei der schönste Stern überhaupt? Es ist nicht immer so dankbar, aber doch mal immer wieder! Ob man das nun als "Arbeiten" betrachtet oder nicht - ich finde, meine Nerven haben seit meiner Mamazeit also Vollgas gegeben!!!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen