Mittwoch, 29. Januar 2014

Die Stunden am Tag...

6 - 7 Uhr: Es isch no zfrüeh, gang nomol is Bett-Stunde
7 - 8 Uhr: I will Zmorge, aber nöd da! I will öppis Exklusivers-Stunde
8 - 9 Uhr: I ha hunger, etz legg di mol aa-Stunde
9 - 10 Uhr: Ess etz mol din Öpfel-Stunde
10 - 11 Uhr: Mer isch langwilig i hol etz en anders Röckli und T-Shirt usem Chaschte-Stunde
11 - 12 Uhr: I ha hunger-Stunde
12 - 13 Uhr: Chasch erscht en Dessär ha, wenn ufgässe häsch-Stunde
13 - 14 Uhr: I ha hunger-Stunde
14 - 15 Uhr: Luegemer Fernseh? Nöd? Demfall holi e anders Röckli usem Chaschte-Stunde
15 - 16 Uhr: I ha hunger-Stunde
16 - 17 Uhr: Ess emol din Riegel fertig-Stunde
17 - 18 Uhr: Chömmer etz Fernseh luege?-Stunde
18 - 19 Uhr: I ha hunger, i will Fernsehluege, i will kä Brot sondern Trochefleisch zom Znacht, i bi no nöd müed, trink no dini Milch us, chumemol go Zäh botze, legg emol sPischi a-Stunde
19 - 20 Uhr: etz nöd immer wieder use cho, schlüf etz mol onder dDecki-Stunde
20 - 21 Uhr: endlich MEINE Stunde, schlafend auf dem Sofa...

Samstag, 25. Januar 2014

Meine neuen Ski

Früher, als man noch 2m-Skier fuhr, nix tailliert war und Stöckli nicht Kult, sondern einfach alte Ski, die meine Cousins schon fuhren, da achtete man sich noch pinggelig genau darauf, dass die Ski keinen weiteren Kratz bekamen. Man tötete beim Anstehen am Bügellift jeden mit dem Blick, der einem mit seinem Stock unsachte auf den hinteren Teil des Skis abstützte. Oder man achtete sich darauf - aus Angst vor solchen Blicken - dass man dem Vordermann nicht mit den eigenen Latten auf dessen unzerkratzte Ski fuhr. Ebenso um zu vermeiden, dass man sich selber am Belag einen weiteren Hick einfuhr. Oh ja, damals hatten wir es noch im Griff! Und das alles mit 2m mindestens unter den Füssen! Und als die alten Stöckli-Ski von den neuen Rossignol abgelöst wurden, die ersten, die wirklich-wirklich neu aus dem Geschäft und nicht von Bruder, Schwester oder Verwandtschaft war, trug man erst Recht Sorge dazu!

Umso mehr freute ich mich vor drei Jahren wie ein kleines Kind ab meiner neuen Skiausrüstung! Meine ersten taillierten Ski (vorher nahm ich immer die von Mami, damit ich nicht als Neandertaler durchging mit dem 2m-untaillierten-Rossignol-Oldtimermodell). Hach, so kuul! Weisse Hausfrauenskili mit schickem geschwungenen Schriftzug - so geschwungen, wie ich keine Kurve auf der Piste hinkrieg. Aber egal! Die Schuhe dazu passend, ultraflauschig im Innenbereich - einfach zum Stolz darauf sein. Denen geb ich Sorg! Die müssen nun ein paar Jahre halten! Und überhaupt - solch ein supi Frauenmodell hatte ich bis anhin ja nicht! Also war ich bei der Jungfernfahrt wieder mit Tötungsblick unterwegs, damit mir kein Pflock einen Kratz macht mit dem Stock! Und auch die darauf folgenden Fahrten und Skitage gingen kratztechnisch erfolgreich über die Bühne, äh Piste!

...bis dahin wusste ich noch nicht, wie es ist, wenn man mit zwei kleinen Kindern auf die Piste geht... sonst hätte ich mir wieder meine alten Rossignol montiert! Plötzlich ist es nicht mehr wichtig, ob die eigenen Skier zerkratzt sind, weil nun zählt nur noch, heil die Piste runter zu kommen, den Steilhang zu meistern mit einem quengelden und weinenden Kind, das die Technik "rutscherlen" noch nicht beherrscht. Die Technik wäre ja lernbar, denkt sich die Mama und übt das flott, bis das Kind den Garaus hat und der Mutti flott im Stemmbogen über die neuen schicken Skier brettert! Auuuuutsch! Einmal? Einmal ist gut!

Mittwoch, 22. Januar 2014

Profi, Profi und nochmals Profi

Wenn man in einem Skifahrerkanton wohnt, wo Zurbriggen nicht nur ein Allerweltsname, sondern auch ein Weltcupsieger ist, kommt kurz nach der Geburt die Frage: "Chänd ewi Chindär scho Schgifahru?" Gehen, sprechen oder sonstige Fortschritte werden kaum registriert, wichtig ist Schgifahru! Und als unser Sohn mit vier Jahren noch nicht buckelpistentauglich war, kam sofort die Forderung: "Jo jetz miesseter de apa scho dehinder, suschtär wird de das nix mit FIS-Rännu!" Ja ok, das mit dem FIS-Rennen dachte ich mir selber aus - aber weit davon entfernt war das also nicht...
Husch werden die Kinder also in die Skischule angemeldet und dann eine Woche von zwei Holländerinnen betreut. Nix gegen Holländer! Aber ich konnte mir den Witz nicht aus dem Gedächtnis streichen, den wir, seit ich mich erinnern kann, gemacht hatten, wenn jemand am Steilhang stecken blieb: "Aha, en Holländer isch onderwegs!" Ui, das ist heutzutage bestimmt ein Verstoss gegen das Anti-Rassismusgesetz und ich hütete mich, solche Gedanken nur schon aufkommen zu lassen! Und echt imfall! Die zwei Damen haben ihren Job gut gemacht! Das war vor einem Jahr. Nun sind unsere Kinder also Schgifahrer und der Druck somit wie weggeblasen. FIS-Rennen sind noch weit entfernt und nach Albrechts Horrorsturz ist eine Skikarriere wohl das letzte, was Mama anstreben will!

Und nun kommts! Wir wohnen nicht nur in einem Skifahrerkanton, sondern auch in einem Eishockeystädtchen! Da sind die Hockeyaner die Helden! Die Gefeierten! Die Heissgeliebten! Die Kuulen! Und logo die Schönen! (...obwohl ich das gar nicht so genau weiss, aber bei den FCSG-Spielern war das auch immer so...) Hier geht man mit der Schule nicht Schwimmen, sondern Schlittschuhlaufen! Ja genau! Und somit ist der nächste Punkt da, den ich mit meinen Kindern angehen muss! Wir müssen ins Vortraining, damit die Kinder in der Schule dann nicht huere alt aussehen! Da kann ich ihnen zwar keine Bielmann-Pirouette vorzeigen oder sonst tolles Zeug, aber mit meiner Bremstechnik "in die Bande donnern" bin ich bestimmt doch ein gutes Vorbild! Das schätze ich am Schlittschüelä! Die Bande! Und die Munzbrügeli, der Süssigkeitenüberfluss am Kiosk und die kuule Musik im 80 Jahre-Stil. So war das damals in Herisau, als ich Kind war und der Mittwochnachmittagsausflug ins Sportzi ein Jahreshighlight war! Ob das immer noch so ist? Ob die Süssigkeiten immer noch wichtiger sind als die Bremstechnik? Ich lass mich überraschen! Und vielleicht geh ich bald mal auf die Schlittschuhe mit meinen Kids, damit dann niemand sagen kann: "Was de! Ewi Chind chännund no nid Schlittschüäh fahru? De wird de das apa nix mit EHC Visp-Profi!"

Montag, 13. Januar 2014

Altglassammelstellen...

Nicht etwa! Ich finde Altglassammelstellen super! Top! Genial! Sie tragen dazu bei, dass man mit gutem Gewissen Büchsenravioli kochen kann oder das leere Zimtgläsli - nicht ganz ökomässig - total, und nicht mit einem Auffüllbeutel ersetzen kann. Schliesslich bringt es Frau Schweizer ja dann zur Sammelstelle und dort wird radibutz neues Glas aus dem Gläschen gemacht. Nimmt man den ganzen Weg auf sich, um extra zur Sammelstelle zu latschen, sind sogar die Fertigravioli wieder abtrainiert! Echt eine gute Erfindung - nicht die Ravioli, diese zwar auch - aber die Sammelstelle. So richtig Schweizer Art eben: man sortiert die Farben der Flaschen und schafft sie aus - äh weg!

Aber immer wenn ich da auftauche und meine Büchsen und das Glas entsorgen möchte, ist entweder der Glascontainer schon übervoll und die Weinflaschen quellen nur so aus den Löchern raus. Und noch besser, ich darf als Erstes die ganzen Büchsen von meinem netten Vorgänger runterdrehen! Mir kommt es vor, als hätte jemand das pure Blei in diesen Scheiss-Dreh-Kasten gefüllt und auch, dass er sich bestimmt nur von Büchsennahrung ernährt, mein netter Herr Ich-dreh-die-Büchsen-nicht-runter-Vorgänger. Und jaja, locker einen auf Supi-braven-Recyclierer machen und dann keine Eier haben und den Schrott selber zermalmen. Da muss dann die nette Fabiente daher und das für ihn erledigen. Was solls, ich unterstütze das Recycling-Weltmeisterland Schweiz und übernehm diese Arbeit gern. DAS nämlich finde ich noch das angenehme an der Sache. Solange man die Büchsen runterdreht, die bereits in der Anlage festklemmen...

Frisch vom Badezimmer ins Auto rein, Hände flott eingecremt, erster Halt Sammelstelle und dann kommts, Biertröpfchen, Rotweinresten, Thunfischbüchsenöl vermischt mit Katzenfuttermicrobröckchen. Da kommt alles zusammen! Und zwar nicht nur im Container, sondern schon in meinem Plastiksack. Und von da kommt es trotz höchster Konzentration und Arbeiten mit nur zwei Fingern trotzdem an meine ganzen Hände. Ist ja wiedermal gut, hat Mutti im Auto die Kinder dabei und mit den Kindern die obligaten Feuchttüechli - die haben mich schon ein paar mal gerettet, sonst hätt ich die Sammelstelle schon zig Mal verflucht!

Freitag, 10. Januar 2014

Ovokartonbüchsenkrone

Kaum sind die drei Könige wieder auf dem Weg nach Hause in den fernen Osten (oder ins Lager von der Migros), kommen in den Läden schon die Fasnachtskostüme und Konfettis auf den Tresen! Rot, grün, blau, gelb, in kleinen Dreihampflesäcken oder auch in Säcken, mit denen man locker die ganze Strasse eines Dorfes einfärben könnte. Marienkäferkleider, Teufelshörner, Engelsflügel und Clownnasen - alles, was das Fasnächtlerherz begehrt, ist wieder vor der Kasse aufgetürmt... Die lieben Migros- und Coopmacher denken sich dabei sicher, dass sie mir einen Gefallen tun damit. Jede clevere Mutti kauft sich sofort ein Kostüm für jedes Kind und hat dann für gefühlte zwanzig Monate Ruhe, bis die Fasnacht nämlich endlich beginnt.

Aber falsch gedacht, lieber Herr Dutti! Ich stresse an den Gestellern vorbei, beachte sie mit einem Kribbeln in der Herzgegend und spüre, wie das schon wieder ein huere Stress in mir auslöst! Als was muss/soll/darf ich meine Kids verkleiden? Soll meine Prinzessin zum Trotz eine Piratin sein und mein Raufbold lieber ein zarter Zwerg? Minimaus vielleicht ein böser Drachen oder bleiben wir doch besser bei Prinzessin für Prinzessin, Pirat für Raufbold und Mäuschen für Hexchen? Muss, soll oder darf ich bei Fasnachten einfach ein Time out nehmen für unsere ganze Familie und sie an uns vorbei ziehen lassen? Tragen meine Kinder dann einen Schaden davon, wenn ich ihnen das ganze Tamtam vorenthalte - vor allem, weil ich weiss, wie super ich Fasnacht als Kind selber fand? Muss/soll/darf Mutti ein Kleid einfach ab der Stange kaufen oder zähl ich dann nicht zu den ultrakreativen Supermamas? Braucht jedes Kind seinen eigenen Konfettisack oder reicht einer für alle? Oder machen wir es gar wie früher und schüfelet die bereits am Boden verstreuten Konfettis auf einen Haufen und werfen sie dem nächst besten Cowboy ins Gesicht, vermischt mit Steinen, Industriesalz und zerkauten Kaugummis? Reicht ein altes Seidentuch aus Mamas Tausend-und-ein-Schal-Fach für ein Kopftuch und darf eine Prinzessinnenkrone aus einem Ovokartonbüchsenstück sein? Fühlt sich Principessa dann weniger königlich und der kleine Pirat mit Papas zerfetztem T-Shirt weniger stark als mit einem Migros-Top-Gewand? Herr Duttweiler, sie überfordern mich! Ich! Will! Noch! Keine! Fasnachtsware! Sehen!

Aber, Fasnacht ab dem 7. Januar hat trotz allem auch was Gutes wäre nämlich keine Fasnacht, ständen dort, wo die Fasnachtschüechli im Gestell stehen, schon die Ostereier und die Schoggihasen! Und dann würde sich jetzt schon die Frage stellen, welcher Hase von den siebenunfünfzig verschiedenen wohl der Passendste für Prinzessin, Raufbold und Hexchen ist...!

Mittwoch, 1. Januar 2014

Teenagergefühle

Ja, im Ernst - ich bin seit sieben Uhr wach und klar im Kopf! Wow! Ist irgendwie ein gutes Gefühl zu wissen, dass die ganze Welt noch am Schlafen ist und gegen das Drehen im Bett kämpft und ich frisch und fröhlich auf dem Sofa sitze und warte, bis mich meine Rabauken vom Lesen abhalten werden. Das ist nun, 9 Uhr Ortszeit, natürlich schon längst passiert.

Aber nun zum gestrigen Abend. Ich gebs zu, ich war vor Mitternacht im Bett - silvesterbanausenmässig und vor allem psssst, sagt es ja niemandem. Ich will ja nicht als Looser dastehen, der keine Freunde hat und somit an keine Party eingeladen ist! Vor Mitternacht ins Bett zu gehen, ist ja ein No Go - No Go des weiteren ist bestimmt das Wort des Jahres! Wer hipp sein will, sagt bei jeder Gelegenheit "No Go" oder "geht gaar nischt!"

Aber nun will ich nicht vom Wesentlichen ablenken und euch erzählen, was Mutti an Silvester so tut! Sie hat erst Ruhe, wenn Kinderchen tischbombengeschmückt im Bett liegen. Vor der Tischbombe herrscht Weihnachtstimmung, das heisst, alle hypern herum, sind nervös und gspüret sich nicht mehr. Also husch die Tischbombe ablassen und Kids ins Bett stecken. Gemütlich kann man nun vor der Glotze Platz nehmen und stellt mit Schrecken fest, dass auf jedem Sender Silvesterstadl kommt. Ich meine, ich bin ja in einer volkstümlichen Familie gross geworden, wo viel musiziert wird und Zäuerli und Ländler "häämelet" mich von ganzem Herzen an! Ich kenne jedes Jödeli, singe alle Texte des Handorgelduo Käslin-Käslin in Zweitstimme mit, die Kapelle Oberalp find ich voll kuul, Carlo Brunner ist mir vertraut wie ein Onkel und dass ich die Silvesterchläuse schon vier Jahre nicht gesehen hab, zerreisst mir fast das Herz! Echt jetzt! Meine Kinder hören am Liebsten Radio Eviva, weil bei den Grosseltern Diem viel Ländlermusik gemacht wird und der Besuch von Bassgeigen-Köbi zu den Ferien im Appenzellerland gehört, wie das morgentliche Kika-Gucken bei Grosi im Bett! Aber das Oberkrainergetrompetele und -hinundhergeschaukle im Stadl regt mich sowas von auf, ganz zu Geschweigen der Andi Boaag - boah...! Ländler und Kommerz hat doch nichts mit Stobete zu tun... Liebe SVP könnt ihr das mal aufgreifen, bitte! DAS wär mir mehr Anliegen als der Apfelbaum!

Schon fast resigniert denke ich, "isch halt nüme wie früeher, dozmol isch a Silveschter no of jedem Sender en kuule Film cho" und dann finde ich ihn! Den Film aller Filme, meinen Favoriten (nebst dem tschechischen Aschenbrödel, versteht sich), den Film, den ich als Teenie wohl jeden Mittwoch mit meinen Kolleginnen reingezogen hab. Der mit dem Baby und dem Johnny! Ich juble laut auf und mein Mann daneben schaut mich komisch an - ein Glas Melody und schon so euphorisch?! Gibt es einen schöneren Film, einen Film, bei dem ich schier jede Passage mitsprechen kann und genau weiss, wie die nächste Szene geht? Danke liebe TV-Macher, you made my silvesternight!

Aber ich weiss auch, dass die TV-Macher genau wissen, dass wir, die Dirty Dancing geschaut haben, nun sicher zu Hause hocken - angebunden wegen (hoffentlich) schlafenden Kids und nicht mehr an irgendwelchen supidupi Silvesterparties rumhängen und neue Bekanntschaften machen. Und genau für uns haben sie, nebst dem Stadl, Dirty Dancing ins Programm genommen! Nett! Echt!

Und trotzdem fühl ich mich nun ein bisschen alt - nicht wegen dem Kater, sondern in Anbetracht dessen, dass Dirty Dancing vor 20 (in Worten zwanzig) Jahren unsere Teenagerherzen höher schlagen liess...

Montag, 30. Dezember 2013

Fischölkapselbrösmeli gegen Katzenhüftarthrose

"Dass das arme Vieh das überlebt hat, grenzt an ein Wunder!" Das dachte Frau Hundkeler, Frölein Vögeli oder Signora Rossi (oder wie die Dame im Qualipet auch immer hiess) vielleicht, als ich sie fragte, ob meine 10jährige Katze echt schon Seniorfutter haben müsste! "Ja, seit sie sieben ist!", war die Antwort und der vorwurfsvolle Blick sagte alles - nämlich obengeschriebenes. Jetzt stellt euch mal vor! Die arme Katze musste doch tatsächlich drei ganze Jahre Futter essen, das zu ihr doch gar nicht mehr passt! Ich hätte ihr eigentlich auch Hamsterkörner oder Hundeknochen verfüttern können, das wäre bestimmt aufs Gleiche raus gekommen. Oje, die arme Kimi... Ich nahm dann grad einen Töndersack, so einen, den man kaum alleine tragen kann, aber so einer, dass die vorwurfsvollen Blicke schnell blinkenden Dollarzeichen in den Augen der Verkäuferin wichen. Und somit hätte ich auch geklärt, dass mir also sehr viel an meinem Miezekätzchen liegt - es bekommt nur das Beste vom Besten und erst noch in einer Menge, mit welcher man in Rom die ganzen herrenlosen Katzen einen Monat locker ernähren hätte können!

Nachdem mein schlechtes Gewissen gewichen war (nämlich dann, als ich bezahlen musste - da löste das eine schlechte Gewissen das andere nahtlos ab), überlegte ich mir bei der Fahrt nach Hause, was in dem Futter wohl drin ist!? Sind da echt Anti-Aging-Creme-Partikel in jedem einzelnen Bröckli, die machen, dass Kimis Haut um die Augen nicht schnell altert, sprich, keine Falten bekommt? Und vielleicht noch ein Paar Farbpigmente, die beginnende grauwerdende Haare von innen raus gleich wieder tigerfarbig einfärben? Oder Latschenkieferextrakt, das schmerzende Muskeln nach der Jagd wieder geschmeidig werden lässt? Nicht zu vergessen Omega-3-Fettsäuren, die das Katzenhirn den Heimweg von 1000 Kilometern finden lassen würde? Oder Fischölkapselbrösmeli, die machen, dass beginnende Katzenhüftarthrose nicht weitergeht? Bestimmt sind da auch blutdrucksenkende Substanzen drin, jagen macht bestimmt nervös und treibt den Blutdruck in die Höhe! Oder seh ich da noch etwas Blaues schimmern? Katerchen will bestimmt auch im hohen Alter noch "go omechäudere" (für Nicht-Appenzeller: go wiibere)! Ja, komme ich zum Schluss, das alles wird da drin sein und die Preisdifferenz zum Futter für jugendliche Katzen ausmachen. Und mein schlechtes Gewissen ist auf einmal weg!

Enttäuscht stelle ich daheim fest, dass dir Körnchen kleiner sind und das wohl der Grund für den Preis ist - die Maschine musste filigraner eingestellt werden in der Fabrik - das ist mit Mehraufwand verbunden und Mehraufwand kostet! Bestimmt sind die Bröckchen kleiner, damit das alte Katzengebiss, das sich ja von klein auf nicht an Vogelflügel oder Mäusewirbelsäulen gewohnt ist, beim Kauen nicht gleich zerbröselt, Zähne auf der Stelle rausfallen oder die Kieferarthrose doch noch weiter fortschreitet! Und wohl nicht wegen all den Zusatzstoffen? Aber als ich sehe, mit welcher Wonne Büsilein ihr neues Futter geniesst, ist das hochsteigende schlechte Gewissen definitiv wieder verschwunden - nicht nur wir Menschen sollen über Weihnachten Hüftspeck anfressen, sondern auch die Katze soll was von Festtagen haben! En Guete!