Freitag, 4. September 2015

Wie man erkennt, dass eine Frau Kinder hat:


1. Sie bewegt den Einkaufswagen auch wenn kein Kind darin sitzt, während sie die Nudeln aussucht.
2. Sie hat mindestens an einer Schulter getrocknete Schnudernasenresten.
3. Fällt ihr die Tasche runter, kugeln nicht nur OBs raus, sondern Windeln, zerkaute Reiswaffeln, Feuchttücher, Spielzeugautos, Nuggis, Schleichtiere, Legomännchen und Ersatzsocken in allen Grössen.
4. Sie hat am Pullover noch kleine Reiswaffelstücke oder Brei, wieder getrocknet, versteht sich.
5. Sie redet mit einem und schaut ständig in alle Himmelsrichtungen, weil sie ihre Kinder im Auge behalten versucht.
6. Sie weiss auf jedes "warum" eine kreative Antwort, egal wie absurd die Fragen sind.
7. Ihr Smartphonedisplay schimmert fettigklebrig...
8. Sie hat überall blaue Flecken vom Anstossen an Ecken und Kanten in der Nacht, beim Durch-die-dunkle-Wohnung-gehen.
9. Frag sie, wie sich Lego anfühlen beim Draufstehen und sie zeigt dir ihr schmerzverzehrtes Gesicht.
10. Lass ein Sirupglas fallen und schau, wie schnell sie auf 180 ist. Geht das eine Hundertstelsekunde, ist sie mit Garantie eine Mama
...hab ich Augenringe und Strubelfrisur schon erwähnt...?

Dienstag, 18. November 2014

I mues go bislääää!

Des Mamis grösster Stolz ist es, wenn das Häfeli-Kind langsam aber sicher das Häfeli im Griff hat und die Windeln im Schrank versorgt werden können (meistens ja ein kaum neu aufgerissenes Pack, wobei man die Hälfte präventiv schon rausgerissen hat und nachher nie mehr in dieses doofe Plastikding zurück kriegt, ohne dass sie aussehen, als wären sie schon voll und 1x getumblert. Dann liegen sie noch geraume drei Monate herum, weil man nicht weiss, ob man die teuren unverbisselten Windeln wegwerfen, sie weitergeben oder doch im Schrank verstauen will, oder ob es dem Kind nun aber echt auch Ernst ist mit windelfrei.)

Nun geht's los. Das Kind merkt, Mutti rennt, sobald es die vier berühmten Worte sagt: "I mue go bislä!" Mutti kann nämlich noch nicht so recht einordnen, ob das Weiblein den Bisi schon verhebä kann oder ob der ziemlich schnell dann kommen tut. Und so werden alle ausserhäuslichen Aktivitäten mit einem gewissen Stress und Druck (nicht auf der Blase des Kindes, aber in Mamas Kopf) erlebt. Ersatz-Untis sind immer in der Tasche dabei - also dann immer, wenn das Kind den Bisi behält, wenn es mal daneben geht, sind diese Unterhosen genau in der daheimgebliebenen Tasche - so en Seich aberau! Und jedes öffentliche WC wird registriert und jedes mögliche Brunz-Wiesli auch. Ist zwar immer etwas peinlich, dem Kind auf dem Weg ins Dorf in irgend einer Wiese die Hose runter zu lassen, anderseits sag ich mir immer, jeder Hund darf an jedes Bäumchen "Geschäften" und niemand stört sich daran. Also lass ich mein Kind auch seinen Weg markieren...

Und erst in irgendwelchen Läden. Da ist es ja höchstspannend für die Neu-WC-Gängerin, wenn sie das WC aufsuchen darf (was gefühlte 10x pro Einkauf vorkommt). Welche Farbe hat der WC-Deckel, wie funktioniert der Spülknopf und nach was schmeckt die Seife, welche Farbe hat diese und wie kann man den Wasserhahn bedienen... Darf man sich da nun selber festhalten oder besser an Mamis Händen, ist es da grüsig oder hat grad jemand geputzt? Und so passiert es häufig, dass ich später meine kleine Maus bei jemandem zu Hause sagen höre: "Isches do grüsig oder chani selber hebä?" - na ja, das ist mir dann doch jeweils etwas peinlich und ich hoffe, dass die andere Mama das nicht empfindet, geschweige denn, mich als Tüpflischeisser mit Waschzwang abstempelt...

Und wenn ich in einem öffentlichen Klo so vor meiner kleinen WC-Tante in der Hocke bin (in einem 50 Quadratcentimeter grossen Klo, wo man jedes Mal das böse Ellbogen-Äderchen anstösst an der Türfalle oder am WC-Rollenhalter die Hüfte blauschlägt), sie mich volltextet und Fragen um Fragen stellt, denke ich an die Nachbarn hinter der Wand und frage mich, ob sie sich nach einem stilleren Stillen Örtchen sehnen oder ob sie sich amüsieren ab unseren Seich-Gesprächen. Und dann sag ich mir jeweils, wer mit uns gleichzeitig im WC ist, braucht keine Zeitung und keinen Gameboy - dann ist für Unterhaltung gesorgt... Und drum amüsiere ich mich auch jedes Mal, wenn eine andere Mama mit ihrem Kind im öffentlichen WC rumwuselt und sage mir: "Es goht doch allne gliich!"

Mittwoch, 2. Juli 2014

WM mit Kindern

Das waren noch Zeiten, als wir in rot-weisser Fanmontur an Natispiele reisten. Wir freuten uns schon Tage, ja Wochen vorher auf das bevorstehende Spiel und reisten jeweils extra früh an, damit wir möglichst die ganze Stimmung und das ganze Drumherum so richtig geniessen konnten. Und als Ostschweizer waren diese Reisen ja immer bis Bern oder Basel, im Espenmoos durfte die Nati höchstens mal gegen San Marino ran... Das Highlight war da sicher ein Länderspiel in Dublin, wobei es um jene Reise allein schon unzählige Blooschts zu scheiben gäbe... Oder als 4. Klässlerin mit 48 000 Zuschauern im alten Wankdorf - das war auch eindrücklich, ja fast "verdrücklich" für ein Kind...
Ja, da sassen wir also gestern vor dem Fernseher. Wir starrten ihn an und waren zutiefst enttäuscht, dass es nicht geklappt hat mir der Viertelfinalteilnahme. Warum köpfelte Dzemaili nur an den Pfosten? Warum versiebten sie die wenigen, aber guten Chancen in der ersten Halbzeit? Und warum nur spielt Messi die Bälle so genau und sein Kollege läuft noch mit? Der hätte doch einfach auf der Mittellinie einen Wadenkrampf haben können, dann wäre uns Schweizern also mehr gedient gewesen! Fragen über Fragen, Thesen, Spekulationen... Schade! Trotzdem bin ich natürlich stolz auf unsere Multikultinati mit den cleveren Spielern, die in jedem Moment das Richtige machen, einen Spurt, ein Dribbling oder auch eine Schwalbe um einen Freistoss zu provozieren und dabei so unschuldig schweizerisch dreinzuschauen, als ob das doch alles nicht wahr sein könnte und man doch wirklich nie im Leben jemanden täuschen würde! Nix gegen Huber und Müller - aber das südländische Blut unserer Elf ist in solchen Momenten echt von Vorteil, das bisschen "frech"! Und sie haben es uns doch allen gezeigt, wir, die doch vielmals meinen, wir brauchen all die "fremde Fötzel" imfall nicht! Sind wir uns da so sicher? Ich denke, es gibt den einen und anderen "fremden Fötzel", auf den wir echt stolz sein können!
Pünktlich zum Anpfiff war die erste Windel voll... Kann das nun sein? Es sind keine vier Minuten gespielt und schon muss ich vom TV weg. Gut ist, dass man sich nicht durch jene Fans hindurch quetschen muss, damit man aufs WC gelangen kann "exgüsi", "sorry schnell", "Achtung", nein, ich spurte los, quasi so wie Shaqiri zum Spurt ansetzt und hole Windel und Feuchttüechli und befinde mich nach diesem Spurt schnell wieder auf meiner Position - dem Sofa. Dort wird die Windel getauscht, immer die Spieler im Auge, damit ja nichts verpasst wird.
Die Kinder gurkts nach einer Viertelstunde an. "Chömmer etz Kika luege?" - Wie bitte? Wohl nicht euer ernst, denke ich mir und versuche sie mit sanfter Manipulationsstimme davon zu überzeugen, doch mit uns den Match zu schauen. "Lueg, de Chlinscht isch imfall de Bescht, de muemmer kenne! Und dä Schär isch sogär vo de Oschtschwiz, quasi en Öserige (wenn man im Wallis wohnt, sind Wiler quasi Öserigi- und auch für Appenzeller daheim ist ein Wiler ein Öserige, wenn er in Brasilien mittschuttet - dass der FC Wil und der FCSG nicht grad Freunde sind, stört uns dieses Mal auch nicht sonderlich...)!" Sie erfassen kurz genannte Spieler und beginnen dann, auf dem Sofa zu hüpfen. Die Kleinste geht vor den TV und berührt den Shaq grad mal mit der Hand und vergisst dann, wieder vom Bildschirm wegzugehen. Hilfeeee! Dazwischen kommt das eine oder andere Kind auf die Knie (und somit vors Gesicht) und frägt etwas furchtbar wichtiges. Endlich merken sie, dass man vor dem Fernseher am Boden doch die Briobahn aufstellen könnte und kommentieren ihr Spiel in aller Lautstärke, so, dass wir des Sascha Rufers holde Kommentare nicht mehr hören. Aber wengistens sitzen alle am Boden und somit nicht im Bild! In der 30. Minute haben alle wie angeworfen Hunger: "I ha soooo hunger, Mami, chum etz go Znacht mache!" Liebe Kinder, das ist wohl wieder nicht euer ernst!? Ich komme jetzt logo nicht Znacht machen!
Zur Pause gibt es keine Sanggaller Bratwurst und kein Bier und auch kein Herumzappen auf das Deutsche Fernsehen um zu hören, was die alles konstruktives über uns Schweizer sagen, sondern ich setze erneut zum Spurt an, stoppe vor dem Kühlschrank und stelle in Windeseile in einem 4-4-2 Tassen, Butter, Joghurt und Brot auf den Tisch. Die Kinder freuts und ich sehne mich nach der Sanggaller Bratwurst und dem Bürli im guten alten Espenmoos, wo im Lautsprecher "un' estate italiana" ertönt... Wir fachsimplen über Käse, tragen einen Zweikampf in wer-darf-welches-Jogurt-haben aus und stossen mit der kalten Milch auf die Nati an - oder so ähnlich. Dann gehts weiter - der Kampf um den Viertelfinalplatz!
Mittlerweilen haben die Kinder gemerkt, dass man die Frage wegen Kika nicht mehr stellen muss und dass vor dem TV rumgumpen oder "lueg mol wieni cha tanze" fehl am Platz sind. Sie spielen nun Lego. Mein Mann und ich sind uns einig, dass nach den 90 Minuten die Kleinste ausgewechselt wird und nicht duschen, sondern ins Bett geht. Nach der regulären Spielzeit reicht es aber nur für Schuhe, äh Zähne putzen und dann gehts schon weiter. Die Kleine noch wach, aber total k.o. - aber immerhin keine Wadenkrämpfe und das ist es, was momentan zählt! Nach den weiteren 15 Minuten gönnen wir uns ein erstes Zappen-auf-den-deutschen-Kanal-und-ignorieren-aller-Schlafenszeitidealen... Es ist einfach zu spannend, sorry Kids!
Und dann kommt die 118. Minute! Ich sagt dazu nichts, es ist zu bitter, ich verdräng es lieber wieder! Die Kinder sind leicht verstört, weil wir beiden Erwachsenen etwas austicken, vom Rumfluchen über Sofa erschlagen bis Hände vor den Kopf und jammern - alles innerhalb von drei Sekunden! Und sie sind das erste Mal ganz still und merken, dass man jetzt wohl besser keinen Hunger oder keinen Kika-Wunsch oder sonstiges äussern muss!
Fussball und Kinder - eine spannende Erfahrung für uns! Fussball und elterliche Emotionen - eine spannende Erfahrung für die Kinder! Es lebe der Fussball!

Freitag, 11. April 2014

Wow, Sturmfrei!!

Dies ist ein Homage an die zwei-drei Stunden, die es selten gibt und die im Handumdrehen vorbei sind. Eine Ode an die Mami-hat-Sturmfrei-Zeit! We love it, but we haven't it...

Man freut sich als Mama, wie ein kleines Kind sich auf Weihnachten freut, wenn ein solcher Nachmittag bevor steht, man denkt sich tausend Dinge aus, was man dann alles machen will - nähen, Fotos einkleben, lesen, Zehennägel lackieren, sich durch die Glotze zappen, Shopping Queen schauen, You Tublen, mit Freundinnen telefonieren, Jeans kaufen, Klatschheftchen lesen, sünnelen... Alles, nur nicht haushalten oder Kinderkleider sortieren!

Kaum ist die Brut ausser Haus, kann es losgehen. Bis dahin ist man aber schon kurz vor dem Amoklauf. Haben alle ihre Mützen, jedes eine Jacke, wo sind Mausis Ballerinas, Pfüders Dinosaurier, Minimausis Nuggi? Nein, man kann jetzt noch nicht mit blutten Beinen los. Doch, du ziehst noch ein frisches Tischört an. Den Tomatenspaghettimund müssen wir noch waschen, ich hol rasch den Lappen, wart schnell, und überhaupt, wieso hast du noch keine Socken an? Das Lieblingsplüschtier (ein weisses Büsi) muss hier warten, ich such dir schnell den grünen Frosch als Ersatz im Zimmer, den kannst du mitnehmen, gopferteckel wo ist denn der und sowieso, wieso habt ihr alle Röckli im Zimmer verstreut? Heieiei, und die Legosteine tun auch immer saumässig weh an der Fussballe! So Kuss, Kuss, Kuss, Tschüss, Tschüss, Tschüss, bis bald und hebät Sorg und gnüssets und jo i gnüsses au und Türe zu - - - Atmen! Jippiiiiiiiieiiiiiiiyyyyayyyyyeiiiii!

Jetzt aber husch Kaffee rauslassen, Heftli und Sonnenbrille schnappen und raus auf den Liegestuhl. Dazwischen noch schnell die Schoppenflasche auswaschen, den Nuggi ins Zimmer legen, dass wir ihn dann nicht suchen, alle Röckli zusammenlegen, die Legos verräumen - ich meine, das mit den Legosteinen drauftreten will ich heute nicht nochmals erleben... Wo war ich gerade? Ach ja! Mein Kaffee - mittlerweilen etwas kalt, aber Mutti ist ja flexibel. Wo ist nur meine Sonnenbrille? Während ich sie suche, finde ich Mausis Socken (die haben wir vorher gesucht), Pfüders Lieblingsdino (husch ins Zimmer damit) und auch das weisse Büsi versorg ich schnell in Minimausis Bett - das erspart mir einen Gang am Abend! Clever Mum! Wo war ich gerade? Ach ja! Meine Sonnenbrille! Ich hab sie nun! Furchtbar verschmierte Gläser! Hat wohl ein Kind in den Fingern gehabt. Die krummen Bügel ignorier ich mal - auf der Terrasse begegnet mir ja eh kein George Clooney... Ich gehe also raus und begegne da meiner Wäsche! Wow, schon trocken! Wir wohnen eben im Wallis! Husch nehme ich sie ab und leg sie gleich zusammen - versorgen geht auch im Gleichen. Tiptop! Die kaputte Jeans - wir haben nur kaputte kommts mir vor, flicke ich hurtig und weil das Bügeleisen grad draussen ist für den Flick, bügle ich auch noch meines Göttergatten Hemden. Schliesslich und endlich ist er ja mit den ganzen Kids unterwegs und ich habe frei...

Und dann kommen sie wieder - ich höre sie schon von weitem, meine Monsterlis! Und ich darf es kaum sagen! Mein Mutterherz hat sie echt vermisst! Obwohl ich auch ein bisschen reuig bin, dass meine Mutti-Sturmfrei-Zeit schon wieder vorbei ist. Aber sie sind doch Engel, Schätzchen, mein Leib und Blut! Sie kommen reingestürmt, meine Engel und verwandeln sich in Windeseile in Bengel... Und mein Göttergatte frägt ganz nett: "Und, häsches gnosse? Wa häsch gmacht?" ...Wäsche versorgt, Röckli zusammengelegt, Lego aufgeräumt, Hemden gebügelt...

Dass mein Kaffee noch auf der Terrasse steht, das Klatschheft am Boden vom Winde verweht ist, der Nagellack noch im Badezimmerkasten steht und der Telefonhörer unangerührt ist, davon sag ich nix. Merkt auch keiner - ausser ich. Und beim nächsten Mal lass ich die Hausarbeit dann sicher aber sein...

Mittwoch, 26. März 2014

früühling, früühling wird es nun bald...

Sodeli, die ersten Tulpen schauen aus der Erde, die Apfelblüten verschönern wieder die kahlen Apfelbäume und alle können es spüren: spring is in the air! Oder korrekt ausgedrückt - er war es! Damals, also genau gesagt, vor einer Woche hab ich alle Winterjacken verbannt, wohlwissend, dass es bis zum Langsgemeindesonntag Ende April noch iiszapfenkalt werden kann. Aber die Landsgemeinde wurde abgeschafft, obwohl meiner Meinung nach besser das kalte Wetter abgeschafft worden wäre und die Landsgemeinde nicht. Das ist aber eine andere Geschichte... Wehmut is still in the air...
So sind die Jacken nun im Keller und wir softshellen uns ein. Schliesslich wohnen wir ja im Wallis und da gilt die Regel mit dem Landsgemeindesonntag ja nicht. Und schliesslich haben wir bei der ersten Wandertour ja auch schon einen Frühlingssonnenbrand eingefangen. Also höchste Zeit, dem Winter ade zu sagen. Dachte ich...
Oder doch nicht? Am letzten Sonntagspaziergang sind wir auf jeden Fall fast erfroren als Softshellfamilie. Inklusive allen Zusatzschlaufen, die unsere Minimaus beim Spazieren mit ihrem Puppenbuggy nimmt, kühlten unsere Körper auf gefühlte 32 Grad ab. Man wusste es ja eigentlich. Der Herr Bucheli vom Dach hat es ja prophezeit. Aber wer wollte das aus dem fernen Züri hier im noch ferneren Wallis glauben? Niemand! Also ignorierten wir diese Prognose einfach. Olala! Welch ein Fehler! Fingerspitzen unternull, der Eiswind war auch nicht grad eine Freude auf der verbrannten Frühlingshaut und so schlotterten wir uns einen ab - unterdessen Minimaus gemütlich jeden Treppentritt hochfuhr, um jeden Strassenpfahl herum, rein in jedes Gärtchen, Tannzapfen aufladen, Ästchen begutachten, Blätter auflesen, dazwischen Brötchen essen und Schnudernase am Ärmel putzen. Und wir schlotterten und zitterten und bei jedem "chum i träg di doch" gabs einen Tobsuchtanfall... Dann spürte ich es auch langsam aufkeimen - das Mama-kriegt-gleich-die-Krise-Bauchgefühl mit anschliessendem Ruck-Zuck-Kind-unter-den-Arm-klemmen-und-Geschrei-ignorieren... Glücklicherweise- für meine Kinder - liegt das Gebäude des Spital Visp genau auf unserer Route, und so konnten wir die warme Abkürzung quer durch die Spitalgänge nehmen. Hoffen wir, das uns dieses noch lange erhalten bleibt, sonst frieren wir das nächste Mal auf dem Trottoir fest beim Sonntags-Frühlings-Softshelljacken-Spaziergang... Und so ist das Fazit unserer Tour: Ist der Wind noch voller Eis, ist Softshell doch en Sch...!

Samstag, 8. März 2014

Vechschau of Walliser Art

Als Kind war es das Highlight vom Jahr, wenn man während der Schulstunde vom Stuhl aufspringen durfte, nach hinten zu den Fenstern rannte und das nur, weil man das Kuhglockengeläute schon von weit her gehört hatte. Der Lehrer sagte nichts, er wusste was los ist - ein wichtiger Tag im Appenzeller Leben - die Vechschau (zu Dudendeutsch Viehschau mit Kühen und Stier). Da kamen Mösli und Krüsi und Willi und Langenegger von allen Ecken her, die Kühe rausgepützelt und die ganze Familie in der Appenzeller Tracht. Zuhinterst der Bauer mit einer "Chromme" oder einem "Lendauerli" im Mund, den Stier am Strick und der Bläss nah an seinen Versen (Blässe haben das nah-an-den-Versen so im Blut, beim eigenen Bauer, wie beim verscheuchen von vorbeikommenden Wanderern). Jaja, die Vechschau! Eine schöne Kindheitserinnerung, nicht zuletzt, weil man manchmal etwas früher Schul-Aus hatte, damit man sich das Ganze noch von Nahem hatte anschauen können.
Ich ging also davon aus, dass man das in der ganzen Schweiz so macht, mit kleinen Differenzen beim Hund und bei den Trachten. Aber ohalätz! Hier im Wallis macht man keine Vechschau mit Kühen, sondern einen Widdrimärt! Da werden von allen Ecken und Enden die Widder von Zurwerra, Heinzmann und Kuonen ins Tal befördert - nein, die kommen nicht zu Fuss, Widder kan man in Kombis laden oder in einen Anhänger. Kämen sie zu Fuss, würden sie an der nachfolgenden Schau nämlich nicht mehr nach Schauma oder Timotei duften, sie wären evt. dreckig und stinkig oder gar verfleckt!
Und da stehen sie also - die gefühlten tausend Widder, alle in Reih und Glied mit ihren schönen (zuvor einschamponierten) Fellen und den Ringelhörnern. Mit dabei natürlich die Besitzer, allesamt in schwarzen Faserpelzen, mit den Händen im Hosensack am referieren über die Schafszucht, in breitestem Walliserdeutsch. Ein Grüezi wie ich kann da nur noch staunen und fühlt sich doch irgendwie heimisch. Heimisch, weil so das Landleben in der Schweiz funktioniert, man zusammen kommt, sinniert und dann zufrieden wieder heim geht.
Und für Mamas mit kleinen Kindern ist so eine Tierschau (egal ob Kuh oder Schaf oder Schlange oder Käfer) doch immer wieder super  - man kommt, trifft sich mit andern Kinderwägelern, sinniert über Windeln, beantwortet den Kindern irgendwelche Tierfragen mehr oder weniger richtig und geht dann wieder heim und alle Kinder hatten eine Schiissfreude und die Mama eine Schiissbüez, bis der ganze Schiissdräck wieder aus den Sohlen der neuen Frühlingsschuhen draussen ist... "I love you mother nature..."!*sing*

Montag, 3. März 2014

Konfetti vs. Osternest

Bejaend spaziere ich heute durch die Migros - ja, nun bin ich bereit für Fasnachtsartikel, Masken und Konfetti! Als Ausserrhoderin beginnt die Fasnacht für mich ja eigentlich erst diese Woche und somit ist es ok, wenn die Artikel nun auch ausgestellt sind in den Geschäften. Nach dem ich das Wägeli mit allen Lebensmittel gefüllt hab, die wir benötigen, sehe ich von weitem die Schoggikugeln - blau mit grünen Tupfen! Man könnte glatt meinen, die hätten noch welche von Weihnachten gefunden, die sie in der Aktion verkaufen wollen. Als ich näher komme, sehe ich aber die Nestchen daneben und die pinkigen, grünen und blauen Häschen! Osterhasen! Und die Schoggikugeln sind keine Kugeln, sondern Eier! Hilfe! Ich versteh die Welt nicht mehr! Ist nicht gerade noch, oder mittendrin oder es geht noch zwei Tage bis zum Schluss, also hier im Wallis, ich meine, hä, ist nicht noch Fasnacht?

Im katholischen Wallis lebt man die Fastenzeit ja noch als solche! Mein Sohn findet ja, das sei die blödeste Jahreszeit, die Fastenzeit - Winter, Fastenzeit, Frühling, Sommer, Herbst - obwohl der Winter dieses Jahr ja eher einer Spinter war. Also man lebt die Fastenzeit mal so ein bisschen bewusst. E chli auf Schoggola verzichten. Biz weniger Heida trinken, lieb sein zu den andern oder auch weniger compiüterlen. Das sind Dinge, die kann ich eigentlich unterstützen! Nur - soll man also die Osterhasen bis Mittwoch noch Tonnenweise verputzen oder geht das als no go durch? Oder darf man das vor Beginn der Fastenzeit ohne es dann beichten zu müssen? Bis jetzt hat man sich doch einfach an Berliner und Fasnachts-k.o.-Trinken gehalten, damit man es danach für die Hälfte der Fastenzeit einfacher hat. Nun muss man sich zwischen Fasnachtschüechli und Osterhase entscheiden!

Eben noch habe ich Witze darüber gerissen, dass ich froh bin um die Fasnachtsartikel, die verhindern, dass man sich schon mit den Osterhasen auseinander setzen muss, nun sind sie bereits da! Was kommt wohl als Nächstes? Vielleicht wieder die Christbaumkugeln oder doch zuerst die Badehosen und Slimdrinks für den Sommer? Such dir was aus und warte einen Monat - und ist dir dein Wunsch nicht Befehl, kauf im le shop ein, da läufst du wenigstens nicht dem Osterhasen über den Weg, wenns dir mehr nach Konfetti ist...