Samstag, 8. März 2014

Vechschau of Walliser Art

Als Kind war es das Highlight vom Jahr, wenn man während der Schulstunde vom Stuhl aufspringen durfte, nach hinten zu den Fenstern rannte und das nur, weil man das Kuhglockengeläute schon von weit her gehört hatte. Der Lehrer sagte nichts, er wusste was los ist - ein wichtiger Tag im Appenzeller Leben - die Vechschau (zu Dudendeutsch Viehschau mit Kühen und Stier). Da kamen Mösli und Krüsi und Willi und Langenegger von allen Ecken her, die Kühe rausgepützelt und die ganze Familie in der Appenzeller Tracht. Zuhinterst der Bauer mit einer "Chromme" oder einem "Lendauerli" im Mund, den Stier am Strick und der Bläss nah an seinen Versen (Blässe haben das nah-an-den-Versen so im Blut, beim eigenen Bauer, wie beim verscheuchen von vorbeikommenden Wanderern). Jaja, die Vechschau! Eine schöne Kindheitserinnerung, nicht zuletzt, weil man manchmal etwas früher Schul-Aus hatte, damit man sich das Ganze noch von Nahem hatte anschauen können.
Ich ging also davon aus, dass man das in der ganzen Schweiz so macht, mit kleinen Differenzen beim Hund und bei den Trachten. Aber ohalätz! Hier im Wallis macht man keine Vechschau mit Kühen, sondern einen Widdrimärt! Da werden von allen Ecken und Enden die Widder von Zurwerra, Heinzmann und Kuonen ins Tal befördert - nein, die kommen nicht zu Fuss, Widder kan man in Kombis laden oder in einen Anhänger. Kämen sie zu Fuss, würden sie an der nachfolgenden Schau nämlich nicht mehr nach Schauma oder Timotei duften, sie wären evt. dreckig und stinkig oder gar verfleckt!
Und da stehen sie also - die gefühlten tausend Widder, alle in Reih und Glied mit ihren schönen (zuvor einschamponierten) Fellen und den Ringelhörnern. Mit dabei natürlich die Besitzer, allesamt in schwarzen Faserpelzen, mit den Händen im Hosensack am referieren über die Schafszucht, in breitestem Walliserdeutsch. Ein Grüezi wie ich kann da nur noch staunen und fühlt sich doch irgendwie heimisch. Heimisch, weil so das Landleben in der Schweiz funktioniert, man zusammen kommt, sinniert und dann zufrieden wieder heim geht.
Und für Mamas mit kleinen Kindern ist so eine Tierschau (egal ob Kuh oder Schaf oder Schlange oder Käfer) doch immer wieder super  - man kommt, trifft sich mit andern Kinderwägelern, sinniert über Windeln, beantwortet den Kindern irgendwelche Tierfragen mehr oder weniger richtig und geht dann wieder heim und alle Kinder hatten eine Schiissfreude und die Mama eine Schiissbüez, bis der ganze Schiissdräck wieder aus den Sohlen der neuen Frühlingsschuhen draussen ist... "I love you mother nature..."!*sing*

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