Mittwoch, 20. November 2013

Unique

"Schaut mal Kinder, hier gibt es Rüebli und Gurken, die sind ganz anderst als die normalen - die sind schäbs und krumm, haben zwei Beine oder sind zu kurz geraten!" - meine Kinder, sich gewohnt von den Normrüeblis, sind ganz erstaunt und freudig und finden: "So kuul, die müssen wir unbedingt kaufen! Ich will dieses hier mit den zwei Beinen! Und schau, dieses munzige auch! Und erst das hier, das ist ja verdreht wie eine Schraube!" Und ich als Mama finde vor allem die zu kurzen, biz dickeren noch kuul. Mir kommt dann parallel zum Auslesen in den Sinn, dass ich mich vielleicht mehr mit diesen, als mit den Model-Rüeblis aus dem Sack daneben identifizieren kann...

Die da hinten im Sack sind ja ach so perfekt und alle schön schlank und gross gewachsen. DIE haben es eben zu etwas gebracht und sind dann im Gestell von den Normrüeblis gelandet. SIE werden teurer verkauft - sind demnach also auch mehr wert? Hmm... Wir kaufen also ei paar Unique-Rüebli und eine krumme Gurke, die locker als Banane durchgehen würde. Die Kinder finden es toll. Ich fühl mich bestätigt...

Ein bisschen unique will doch jeder sein, ich meine, wer will schon so sein wie alle anderen? Wir wollen doch alle ein bisschen unique sein - die schöneren Schuhe, das bequemere Sofa, die gescheiteren Kinder (ha, nun fühlt ihr euch aber alle betroffen, gell!), die schönere Katze, weniger Runzeln... Jaja, unique und doch ständig am Vergleichen mit allen rundherum! So sind wir halt! Ich? Ich doch nicht!

..und doch rege ich mich auf der Waage am nächsten Morgen wieder auf, weil ich es als Rüebli nur bis zum Unique-Gemüse schaffen tät und nicht in den Normrüebli-Modelsack und denke, sodeli, nun wird die Schoggi wieder verbannt und die Unique-Rüebli kommen endlich zum Einsatz...



Donnerstag, 18. Juli 2013

Wanted: Spängeli!

Ich frage mich oft, wohin all die kleinen Dinge verschwinden, die wir zwar nicht verlieren, aber die trotzdem unauffindbar sind!? Der Bänz Friedli fragt sich das ab und an wegen seiner verwaisten Socken. Diese sind bei uns immer wieder mal Einzelgänger, finden dann aber nach dem Aufräumen oder der zweiten, dritten Wäsche bald mal ihren Zwilling wieder. Aber ob des Bänzes Anna Luna beim Tschutten auch eine Sportfrisur macht? Das hab ich meinen Juniorinnen nämlich immer eingetrichtert - die Sportfrisur ist eben so wichtig, wie die Schienbeinschoner: alle Haare nach hinten zum Rossschwanz binden und wilde einzelne Strähnen mit Spängeli bändigen. Man will ja den Ball sehen, wenn er dann daher kommt vor dem Tor und nicht am Abschluss scheitern, nur weil die Fransen vor den Augen rumhängen... Auf jeden Fall hat der Bänz - Idol aller Hausfrauen - noch nie über Anna Lunas Spängeli geschrieben. Gufini sagen sie im Wallis und in jedem anderen Schweizer Kanton wird es dafür einen anderen Begriff geben. Haarklammern, wird es im Duden heissen: kleines Metallding zum nach hinten befestigen irgendwelcher umherschwirrender Haare, Mangelware in jedem Haushalt, obwohl zu Hundertausenden gekauft!

Jede Mädchenmama hat bestimmt schon gefühlte tausend Spängeli gekauft, kann aber immer nur gefühlte Unternull auffinden. Sogar wenn ich sie in dem dafür extra benannten Spängelichischtli im Lavaboschublädchen versorge, finde ich bei der nächsten Frisurmache nur ein einzelnes des Paares oder gar keines, das zum Haargümmeli passt. Wohin die alle kommen oder gehen, das steht in den Sternen! Sie verschwinden meistens auf nimmer Widersehen... Manche finde ich doch dann später mal in meiner Handtasche, wenn ich nach dem Schlüssel suche oder im Auto zwischen Brotresten und versaugten Pfefferminzbonbons, die kurzerhand aus dem Mund gespuckt werden, weil man sie zwar aus Mamas Handtasche gestohlen hat, dann aber doch nicht gerne isst...

Gut ist, dass mein Shoppingherz bei Spängeli immer wieder mal zum Zug kommt, weil Spängeli kann man nie genug haben - ähnlich wie Nagellack oder Kleider, wobei zweitere ja das zehnfache kosten. Also ist man doch froh darüber, dass sich die Spängeli dann und wann aus dem Staub machen und sich ohne Kompass in der überseekoffergrossen Handtasche verirrt haben. So hat die grosse Handttasche doch noch einen Pluspunkt gefunden!

Mittwoch, 3. Juli 2013

Walter Stürm und der Überseekoffer

Von meiner Tasche in Grösse eines Überseekoffers hab ich ja schon geschrieben. Die ist riiiesig und man braucht dafür beinahe einen Kompass oder eine Landkarte, damit man sich darin nicht verirrt! Schlimm wäre das natürlich nicht, denn eine Siggflasche mit Gammelwasser fänd man darin bestimmt oder auch ein paar bereits angesaugte Crackers. Also kann man sich den Kompass getrost sparen - verhungern und verdursten tät man darin nämlich nicht!
Beim Einpacken lieb ich die Tasche! Hach, was darin alles Platz hat - Ersatzkleider für jedes Kind, Siggflaschen für jedes Familienmitglied im Lieblingsdesign, Windeln für eine Woche, Feuchttüchlein in der Maxiausführung und die Mamasonnenbrille, das Hightechsmartphone und natürlich den Autoschlüssel. Den versorg ich aber nicht, weil wir ja ausser Haus grad wieder ins Auto steigen und davon düsen. Gäbig - so eine Tasche, echt!
Der Ausflug dauert, wie auch schon beschrieben, nur zwei oder drei Stunden, danach gehts wieder heimwärts, aber zuerst zurück zum Auto. Wären wir nämlich länger unterwegs, bräuchte ich den Tramperrucksack... Also alle vor dem Auto: alle sind müde, die Flaschen diesmal trotz Optimistenblut ganzleer und die angesaugten Notcrackers auch schon verspachtelt. Die Rasselbande steht vor dem Auto, die anderthalbjährige Ausbrecherkönigin ist sicher im Schwitzkasten, nun einen kurzen Griff in die Tasche und den Schlüssel sicherstellen. Aber ohalätz - weit gefehlt. Oder besser gesagt: weit im Griff verfehlt! Ist er nun unterhalb der Windel versteckt? Oder hinter der Siggflasche mit dem Hello Kitty drauf? Oder hab ich ihn doch clevererweise ins kleine Nebenfach verstaut? Natürlich nicht! Aha, in diesem Fall könnte er zwischen Feuchttüchern und der Reiswaffelbrosmete sein - jupi, ich spür da was! Genial! Aber leider ist auch das ein Fehlgriff, das Erfühlte entpuppt sich als Sackmesser. Das Sackmesser, wir ehemaligen MacGyver-Fans wissen, das hat man immer dabei, es ersetzt den Kompass in der Handtasche und gibt anstelle diesem ein bisschen Survivalgefühl - kann ja eben nicht schaden in so einer Tasche, wo man Gefahr läuft, den Ausweg nicht mehr zu finden!
Zwangsläufig muss ich das Kleinkind aus dem Schwitzkasten lösen, weil ich meine zweite Hand brauche bei der Suche. Oh mann, wenn das nur gut geht. In Windeseile suche ich nach dem Schlüssel, während sich der kleine Walter Stürm noch viel windeseiliger aus dem Staub macht... Glücklicherweise finde ich den Schlüssel, fange die Ausbrecherkönigin wieder ein, verlade die Kinder im Auto und bin bachnass, aber gottenfroh, dass alle festgegurtet auf ihren Sitzen hocken! Und ich schwör mir, das nächste Mal versorg ich den verflixten Schlüssel im kleinen Seitenfächli! Hoffentlich weiss ich das dann noch, wenn wir aussteigen und Walterli sich schon wieder davon macht...

Dienstag, 18. Juni 2013

Easy life - das war einmal...

Öfters frage ich mich ernsthaft, was ich damals, als ich noch kinderlos war, so gemacht hab, den ganzen lieben langen Tag... Klar, gearbeitet natürlich und getschuttet - das brauchte ja auch seine Zeit und hat auch Spass gemacht. Raus aus dem Pischi, rein mit dem Zmorge, einen Griff zur Tasche, Wohnung geschlossen, ab ins Auto, DRS3 rein und looos - gemütliches Autofahren ohne Gebrüll (ok, je nach Musik die im Radio lief) und schönes Erwachen auf dem zwanzig minütigen Weg durch das schöne hügelige Appenzellerland - Viehtransporter hin oder her, ich erfreute mich der Löwenzahnwiesen und der Apfelblüten oder auch dem frischen Schnee... Nach der Arbeit ging ich gemütlich nach Hause, kurze Zwischenstopps in irgendwelchen Läden waren gar kein Problem, in windeseile war ich aus dem Auto raus, im Laden drin, durch diesen hindurch und schon wieder auf der Fahrt. Zuhause angekommen konnte ich fröhlich die Füsse auf den Salontisch legen und mich durch das Erwachsenenprogramm zappen...

Nun ist alles etwas anders: Erwachsenenprogrammzapperei gibts nimma! Tasche fassen, raus aus dem Haus auch nicht. Das dauert! Nicht, bis ich mein Portemonnaie oder das Hightechsmartphone eingepackt hab, sondern bis wir Wasserfläschen gegen Durst, Windeln gegen nasses Fudi, Feuchttücher gegen verschmierte Hände, Jäckchen gegen Wind, Nuscheli gegen Zahnungsspeutz, Nuggi zum Trösten und alles drum und dran - braucht eine Tasche in Grösse eines Überseekoffers. Für einen zweistündigen Aufenthalt ausser Haus - versteht sich! Für mich allein gibts keine Accessoires, keine Jäckchen (ich schwitze mich eh k.o. vor lauter Rumrennen und chüechle) und keine Wasserflasche - ich trinke schon lange aus der Felix-Sigg-Bottle...

Ja, das ist mein Alltag ausser Haus - zu Hause bin ich Hausfrau. Hach, wie gemütlich! Nix tun, TV schauen, Zeitung lesen... So hab ich mir das vorgestellt und so hab ich mich darauf eingestellt. Aber hoppla, falsch gedacht! Ich bin eine gestresste, früher von mir belächtelte Hausfrau, die nur zum TV "schlafen" kommt, weil ich abends so k.o. bin und das alles nur, weil meine Kinder ihren Job so ernsthaft betreiben und mir ständig zu Arbeit verhelfen... Salzstängel durch die Wohnung streuen, Katzenfutter säen, im Katzensand sändälä, 1000x pro Tag auf das Triptrap steigen, Puzzles ausleeren und liegen lassen und und und... Aber wenigstens haben wir diesen Sommer zwar kein Meersalz zwischen den Zehen, aber dank den Salzstängeln müssen wir nicht gänzlich auf das Salz verzichten... Das Glas, äh die Felix-Sigg-Bottle ist also immer halbvoll!

Mittwoch, 17. April 2013

Sylvie, wie machst du das?

Liebe Sylvie

Wie machst du das eigentlich, dass du immer aussiehst, wie mein Barbie aus der Estrichschachtel? Bald kannst du sogar das Brautkleid wieder hervorkramen! Deine Frisur sitzt, deine Figur steht dir gut und dein Outfit haut alle um - sogar in der Modestadt Paris! Wie um Himmels Willen kommst du bis in die Hamburger Migros oder sogar bis zum Flughafen? Wo ist dein Kind und ist es nie krank?

Aber vielleicht fragst du dich auch, wie du den ganzen Fotografen entkommen könntest, damit sie dich nicht in Paris fotografieren, während du, doch eigentlich traurig über Rafaels neues Liebesglück, mit Schmetterlingen im Bauch mit einem Pariser herum schlenderst! Ich kann dir ein paar Tipps geben, wie du mit Garantie nicht mehr fotografiert wirst! Bleib daheim - ja genau, so wie ich es momentan tu! Ich bin schon auf Instantkaffee ausgewichen, weil meine Kaffeekapseln ausgegangen sind, meine Kinder müssen mit der Zahnpastatube, die das Zahnfräulein mitgebracht hat, die Zähne putzen, weil auch die grosse Tube alle ist und mir sitzt ein quengelndes Fräulein auf dem Schoss, während ich dir diesen Brief schreib!

Eine Chance auf ein bisschen Publicity hab ich aber noch: während meine drei Kinder im heissen Auto (wer hat schon mit über 20 Grad gerechnet in den letzten Tagen) verschmorren, stehe ich im Denner an der Kasse und reg mich auf, dass es meine Kaffeekapseln nur im Coop gibt... 

Ich wünsch dir viel Spass in Paris, oder London oder Amsterdam oder an all den Flughäfen. Sag, kannst du mir, das nächste Mal wenn du in Visp vorbeifährst, nach Schickimickizermatt vielleicht grad kurz ein paar Dolce Gusto Kapseln bringen, weisch ich komm mometan nicht aus der Hütte...

Danke dir!

Gruss Fabiente

Sonntag, 24. März 2013

Zahlenstrahl - was sonst?

Huschhusch renne ich durch die Migros, die Uhr steht auf 4 vor 5 und es ist Samstag. Auf meinem Zettelchen steht nur noch Gesichtscreme. Also noch einen Artikel krallen und ab an die Self scanning-Kasse - ich meine, man geht ja mit der Zeit und muss da aktuell bleiben, ich bin ja noch jung! Cremecremecreme, Füsse, Haare, Badezusätze - ah, da - Gesichtscreme! Ein Griff und ab an die Kasse, denkte man! Aber oha, da hat es ja gefühlte 5000 verschiedene Cremes. Jedes Mal ist es mir ein Graus eine auszusuchen und weil ich die nächsten 60 Jahre ja nicht immer gleich riechen möchte, nehm ich mal ab und zu eine andere, aber die Zeiten sind vorbei, wo ich die billigste nehm, meine Haut dankt es mir bestimmt! Illusorisch suche ich nach einer normalen Gesichtscreme - "Anti Falten" das ist bestimmt was für "Alte Frauen" - aber ich find keine hundsnormale! Und ICH brauch doch noch keine antifaltige! Meeensch...

Zum Glück kommt grad ein Fräulein - sagt man in der modernen Zeit eigentlich noch so? Auf jeden Fall kommt die gute Verkäuferin und ich frag sie ganz verlegen: "Äm, steht heutzutage eigentlich auf jeder Creme "Anti Falten" drauf?" Die Antwort kommt ziemlich prompt: "Ja!" ...ähm... Meint sie jetzt, für-dich-brauchst-du-eh-eine-wo-das-drauf-steht-was-suchst-du-eine-andere oder meint sie jetzt ja-bist-du-eigentlich-von-gestern-und-kaufst-deiner-armen-dreissig-jährigen-haut-das-erste-mal-eine-gesichtscreme-oder-wie... "Und wie merke ich, welche für mich gut ist?" - "Meistens ist der Zahlenstrahl drauf - diese ist zwischen 30 und 40 Jahren!" Danke liebe Frau, you made my day - zum Glück haben Sie mir nicht die für die 40-50jährigen hingehalten, sonst wär ich anstatt auf dem direkten Weg heim noch kurz in einer Kneipe auf einen Schnaps vorbei! Aber sie WUSSTE, dass ich noch jung bin!!!

...ach und ja, die nächsten 60 Jahre rieche ich nun doch immer gleich - nun weiss ich nämlich, welche Creme ich nehme, nur, damit ich nicht nochmals eine Verkäuferin fragen muss!

Sonntag, 10. März 2013

Pysslaeisen

Wer braucht sein Bügeleisen auch jeden Tag mehrere Male? Die zählt bestimmt auch zu den Superhausfrauen, die sogar Unterhosen und Socken bügelt! Ha, falsch gedacht, ich brauch mein Bügeleisen momentan täglich mehrmals, bügle aber weder Unterhosen noch Socken. Oh ja, ich bügle quasi gar nix, nur meine weisse Bluse, die ich drum kaum mal trage, weil der Aufwand danach einfach zu gross ist. Und natürlich die Hemden von Göttergatte - der hat noch das eine oder andere, das er aber jeweils vergisst, weil er sooo lange darauf warten muss, bis es wiedermal gebügelt wird... Schande über mich!

Aber eben, mein Bügeleisen hat zur Zeit seine beste Zeit, es darf beinahe stündlich in den Einsatz - es ist richtiggehend heiss darauf, gebraucht zu werden! Bügeleisen ist drum eigentlich falsch, ich wär da eher für Pysslaeisen - es ist nämlich ein Pysslaeisen! Alle, die Ikeagänger sind - und das sind wohl alle Frauen zwischen 18 und 50 kennen hoffentlich den Megabehälter mit den kleinen Mikroplastikperlen, die man stundenlang auf so Steckbrettchen befördert, damit sie einem im nächsten Moment wieder rausfallen, weil man Trampel aus Versehen an das Steckbrett gestossen ist, während man die richtige Farbe aus dem Plastikglas knübelt. Wow, eine erneute Feinmotorikbestleistung - nicht nur vom dreijährigen Kind, sondern auch von der Mama. Möchte kind nämlich ein Erfolgserlebnis haben, muss mama zwingend helfen - never ending ist sonst noch harmlos ausgedrückt! Auch wenn man kein Trampel ist und sein Pysslabrettchen nicht umschubst, hört es fast nicht mehr auf, bis die kleinen Mikro- ja besser gesagt Picoteilchen vollständig und jede Farbe an Ort und Stelle liegend, auf dem besagten Brettchen sind.

Geeggeli-, Sissifussarbeit oder Beschäftigungstherapie wäre hier passend gewählt! Oh und man hat ja als Mama und Hausfrau auch nichts besseres zu tun, als stundenlang Plyssaperlen in Reih und Glied zu befördern und danach den ganzen Tag zu bügeln! Es lebe das Pysslaeisen!