Samstag, 1. Februar 2014

Die verflixten Wundereier an der Kasse

Endlich hab ich den gesamten Einkauf erledigt, bin bei allen Schleichtieren, Legofigürchen und Playmobilsäckchen hart geblieben und nun muss ich noch den nervenaufreibendsten Moment über mich ergehen lassen - die Kasse. Ich lade husch alles aufs Band, grosses und schweres zuerst, Joghurt, Tomaten und Bananen am Schluss - man will ja zu Hause auch noch was brauchen können von all dem Zeugs. Herr Huber, an die 80 Jahre auf dem Buckel, zwei Personen vor mir, vergass den Broccoli zu wiegen, so, dass Frau Sutter von der Kasse mit dem Broccoli losrennen muss, das Versäumte nachzuholen. Wir warten, ich lass mir Murphys Gesetz einmal mehr durch den Kopf gehen (man ist immer an der langsamsten Schlange an der Kasse) und schaue den anderen von anderen Kassen zu, wie sie die Ware aufs Band legen, bezahlen, einladen und weg sind. Nur ich und Herr Huber und Frau Müller direkt vor mir, wir warten und warten bis Frau Sutter wieder daher rennt und ich frag mich, wieviele Male sie sich das am Tag antun muss, weils zum "guten Kundenservice" zählt - die Arme! Meine Kinder - natürlich mit von der Partie, schauen sich ebenfalls um, lassen sich aber nicht Murphys Gesetz durch den Kopf gehen, sondern sind fasziniert vom Angebot auf Kniehöhe - Kinderschokolade, TicTac, Brügeli, Kaugummi und Maoams (neumödige Sugus, quasi). Solange Frau Sutter noch mit dem Broccoli herum rennt, können sie sich noch zurück halten und mein Satz "nor luege, gell", zeigt noch Wirkung.
Dann kommt also Frau Müller dran. Sie hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel und einige Münzen im Portemonnaie, die sie unbedingt loshaben will. Sie kommt tagtäglich zu Fuss in die Migros und braucht die Füfzgerli und Zehnerli darum nicht für die Tiefgarage. Und sie braucht dafür ihre Zeit, bis sie die neun Franken fünfunsiebzig aus der Geldtasche gefischt hat. Und meine Kinder freuts und ich werde kribbelig. "Tues wieder ane!" kommt eine Hundertstelsekunde zu spät aus meinem Mund, geschweige denn, mag ich noch um das Migroswägeli herum ohne mir den Hüftknochen blau zu schlagen und schon ist das verd... Wunderei offen! Na bravo! Guet gmacht, Kinder! Natürlich geben sie sich nicht mit einem Ei zufrieden, es will ja jedes Kind "öppis zum spiele, e Öberraschig und chli Schoggi!"
Wieso kann man nicht Shampoo oder Regeneriersalz, Tampons oder Abfallsäcke an der Kasse aufbeigen? Gemahlene Haselnüsse, Tomatenpüree oder Safran? Haarspängeli oder Wattestäbchen? Es gibt so viele Produkte, die mir jedes Mal erst an der Kasse wieder in den Sinn kommen und die mir vorher durch die Latte gingen! Ich hätte keinen Stress mit meinen Kindern und könnte erst noch die ständig vergessen gehendenen Artikel noch in aller Ruhe in mein Wägelchen legen, während Frau Sutter mit Herrn Hubers Broccoli herum rennt und Frau Müller ihre Rappen zählt.

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